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Roadtrip Ost – Auf der B96 von Zittau nach Sassnitz (Teil 2)

Roadtrip Ost – Teil 2: Im Sommer 2021 war ich wieder unterwegs auf der B96. Zwischen Berlin und Sassnitz gibt es viel zu entdecken. Hier einige Eindrücke zu meiner Tour…

Meine Tour startete ich im Corona-Sommer 2020. Dabei habe ich zunächst den südlichen Teil der Strecke von Zittau nach Berlin erkundet. Meine Eindrücke habe ich auf Fotos und Skizzen festgehalten. Später sind daraus über 30 Werke in unterschiedlichen Techniken entstanden. Mit geschärftem Blick habe ich mich im Sommer 2021 erneut auf den Weg gemacht. Zwischen Berlin und Sassnitz war ich für den zweiten Teil meiner Tour auf der B96 unterwegs. Hier findest Du einige Eindrücke zu meiner Tour und den einzelnen Stationen.

Start für den zweiten Teil meiner Tour in Oranienburg.
Schnelle Skizze auf dem Marktplatz in Neustrelitz.
Skizze in Altefähr (Insel Rügen) mit Blick auf das Panorama von Stralsund.
Zufrieden am Ziel der Tour: Die Mole in Sassnitz.

Die Stationen

Oranienburg

ORANIENBURG

Ausgebaut als vierspurige Schnellstraße lässt die heutige Bundesstraße B 96 Oranienburg links liegen. Die frühere Route durchquerte die Stadt und führte am Schloss vorbei. Für mich war es der erste Besuch in Oranienburg. Bis dahin hatte ich Oranienburg nur im Zusammenhang mit folgenden drei Schlagworten wahrgenommen:

  1. Bombenentschärfung. Kein Jahr vergeht indem nicht im Radio die Entschärfung von einem der zahlreichen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gemeldet wird.
  2. Picknick in Weiß. Seit einigen Jahren strömen bei diesem festlichen Treiben an einem Mittwoch im Juli mehrere tausend weiß gekleidete Menschen mit Picknickkörben in den Schlosspark. Sie plauschen und feiern bei Kulinarischem und Livemusik.
  3. KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen. Sie veranschaulicht die Geschichte der Konzentrationslager Oranienburg und Sachsenhausen. Damit ist sie ein wichtiger Ort gegen das Vergessen zu einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte.

Es gab also viel zu entdecken. So wie es vermutlich viele Touristen tun, startete ich meine Tour am Schloss Oranienburg. Direkt daneben liegt der Schlosspark mit seiner Orangerie und der Schlosshafen. Oranienburg war im Jahr 2009 Austragungsort der Landesgartenschau. In diesem Zusammenhang ist der Schlosspark wiederhergestellt worden. Auch Schlossplatz und Uferpromenade an der Havel wurden neugestaltet.

Nachdem ich diesen touristischen Hotspot abgearbeitet hatte, ließ ich mich entlang der Havel treiben. Hier fand ich unter anderem tolle Brückenbauwerke wie den Louise-Henriette-Steg, viele bunte Graffitis und einen alten Kornspeicher.

MESEBERG

Der Ort Meseberg gehört zur Stadt Gransee und liegt nur etwa drei Kilometer von der B96 entfernt. Auch wenn der Ort nur etwa 150 Einwohner zählt, ist er überregional bekannt für sein Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert. Die Bundesregierung nutzt Schloss Meseberg als Gästehaus. Viel los ist dort in der Regel nicht. Aber wenn sich die Bundesregierung dort zu einer Kabinettsklausur trifft oder ausländische Staatsgäste empfängt, ist das immer eine Nachrichtenmeldung wert. Daher die Bekanntheit des Ortes.

Bei meinem Besuch präsentierte sich Schloss Meseberg vor wolkenverhangenem Himmel. Mit Ausnahme der wachhabenden Polizisten war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Das prächtige Anwesen beeindruckte aber auch bei tristem Wetter. Nachdem ich die Frontansicht mit Zufahrt und Ehrenhof festgehalten hatte, versuchte ich noch einen guten Blick auf die Parkseite zu erhaschen. Wie sich zeigte, ein aussichtsloses Unterfangen. Das Anwesen ist nahezu vollständig von hohen Mauern umgeben und ein Zutritt zum Park nur am „Tag des offenen Schlosses“ möglich. Da der Himmel zwischenzeitlich sämtliche Schleusen geöffnet hatte, brach ich ab und versuchte meine Ausrüstung vor dem strömenden Regen in Sicherheit zu bringen.

Fürstenberg/Havel

FÜRSTENBERG/HAVEL

Meine nächste Station war die Stadt Fürstenberg/Havel. Sie führt die vielsagende Zusatzbezeichnung Wasserstadt. Nicht ohne Grund: Vier Havelläufe und drei Seen gibt es allein im Stadtzentrum. Damit prägen viel Wasser und die hügelige Landschaft drumherum das Ortsbild. Allerdings führt auch die B 96 direkt durch die Ortsmitte. Erkennbar zum Frust der Anwohnenden. Protestschilder der Bürgerinitiative „B 96 raus“ sind allgegenwärtig. Die Bürgerinitiative kämpft seit Jahren für eine Umgehungsstraße.

Wichtigste Baudenkmale im Stadtgebiet sind das barocke Schloss Fürstenberg und die evangelische Stadtkirche am Marktplatz. Nachdem ich die Ortsmitte erkundet hatte, zog es mich zu einem wahren „Lost Place“. Unmittelbar am Röblinsee liegt das alte VEB Kraftfuttermischwerk. Dieses hatte früher vor allem regionale Landwirtschaftsbetriebe versorgt und seinen Betrieb im Jahr 1992 eingestellt. Seitdem nagt der Zahn der Zeit an dem alten Gebäudebestand. Es gibt Pläne, das gesamte Areal als Hafencity mit Einrichtungen für Freizeit, Erholung und Gewerbe wiederzubeleben. Ob es in absehbarer Zeit dazu kommen wird, ist ungewiss. An dem Tag meines Besuchs tauchten wolkenverhangener Himmel und kräftige Regenschauer den Ort in eine gruselige Untergangsstimmung.

Neustrelitz

NEUSTRELITZ

Neustrelitz liegt eingebettet in wunderschöner Landschaft inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte. Wasser ist damit allgegenwärtig. Im Stadtgebiet gibt es mit dem Zierker See und dem Glambecker See gleich zwei Seen. Besonders gefallen hat mir der Stadthafen am Zierker See. Dieser dient als Wasserwanderrastplatz und bietet allerlei Einkehrmöglichkeiten. Und während man sich kulinarisch verwöhnen lässt, kann man das Treiben im Hafenbecken beobachten: Große Hausboote, die von Hobbykapitänen eingeparkt werden müssen und ein Hafenmeister, der bei alledem voller Hilfsbereitschaft die Ruhe bewahrt. Toll.

Die frühere Residenzstadt verfügt über ein beachtliches Ensemble historischer Baudenkmale. Fast wie ein kleines Potsdam. Allein der Marktplatz beeindruckt – im Quadrat angelegt – mit beachtlichen Abmessungen. Immerhin acht Straßen treffen hier aufeinander.

Zu Neustrelitz gehört auch die Strelitzie. Im Jahr 1822 blühte in der fürstlichen Orangerie am Schlossgarten eine Strelitzie. Erstmals in Deutschland. Seit dem Jahr 1995 ist die Strelitzie die Stadtblume von Neustrelitz.

Neubrandenburg

NEUBRANDENBURG

Da ich meine Kindheit und Jugend überwiegend in Vorpommern verbracht habe, kannte ich Neubrandenburg bereits. Zumindest das Neubrandenburg der 1990er-Jahre. Vom Stettiner Haff aus brauchte man mit dem Auto knapp anderthalb Stunden. Anlässe, nach Neubrandenburg zu „reisen“, gab es regelmäßig: Facharztbesuche, Einkäufe oder später ein Besuch in einer der riesigen Diskotheken. Auch die Erinnerung an eine Fahrradtour von Ueckermünde nach Neubrandenburg mit Umrundung des Tollensesees ist mir noch präsent.

Prägend für mich waren seinerzeit zwei Dinge: Plattenbauten und Sport. Die Plattenbauten waren allein ob ihrer Menge und Größe enorm präsent. Dennoch wurde Neubrandenburg nicht müde darin, sich als Vier-Tore-Stadt zu vermarkten. Nicht ohne Grund: Die Stadtmauer mit ihren Wiekhäusern und den vier Stadttoren ist wirklich sehenswert.

Daneben der Sport. Schon damals stand Neubrandenburg gleichermaßen für Breiten- und Spitzensport. Wer auch immer es aus unserer Region sportlich zu etwas bringen wollte, den zog es nach Neubrandenburg. Zumeist auf das Sportgymnasium. Heute ist Neubrandenburg Olympiastützpunkt in den Sportarten Leichtathletik, Kanu und Triathlon. Viele erfolgreiche Athletinnen und Athleten kamen und kommen aus Neubrandenburg.

Meine Tour in Neubrandenburg startete ich zunächst mit einer Umrundung der Innenstadt entlang der Stadtmauer. Besonders prägnant für die Innenstadt ist aber auch der sogenannte HKB-Turm (Haus der Kultur und Bildung) auf dem Marktplatz. Das Turmhochaus ist 56 Meter hoch und ein Musterbeispiel für modernistische DDR-Architektur. Anschließend zog es mich zunächst in die Ost- und später in die Südstadt. In den Hochhaussiedlungen findet man Plattenbauten in allen denkbaren Erscheinungsformen. Einige stehen mittlerweile unter Denkmalschutz, etwa auch das Gebäudeensemble in der Neustrelitzer Straße 49 bis 109. Zwischen all den Plattenbauten versuchte ich deren besondere Ästhetik einzufangen. Ich beendete meine Tour mit einem Besuch der Sportstädten (Jahnsportforum und Jahnstadion) und einem Abstecher zum Tollensesee.

Stralsund
Dänholm
Sassnitz